Sommer

Sabine am 26. Juni 2011 um 19.25

Tel Aviv ist schon angenehm.
Wo sonst kann man nach einem heissen Sommertag ne Runde am Meer langfahren und zusehen wie die rote Sonne im Wasser versinkt?
Und die Mehrzahl der Menschen die einem begegnen sind nicht viel älter als man selbst. Und haben sogar Kinder dabei! Niemand regt sich auf weil man auf dem Fussweg langfährt. Nur noch das Mückenproblem lösen! Dann ist es hier mal richtig n1.

Negev

Sabine am 13. Februar 2011 um 17.57

Nur zwei Autostunden von Tel Aviv entfernt sieht es so aus:

Die Straße die durch die Wüste Negev führt, wird erst von militärischen Warnschildern gesäumt, später von den ärmlichen Dörfern arabischer Beduinen und schließlich ist da nur noch Wüste weit und breit; am Horizont in Richtung ägyptischer Grenze wird es gebirgig.

En Avdat ist ein Trockental, ein Wadi. Durch die hin und wieder auftretenden Regenfälle hat sich hier ein tiefer Canyon in die Gesteinsschichten gegraben, der in diesen kühlen Tagen sogar ein wenig Wasser führt. Man kann ein wenig hineinwandern und die imposanten Steinwände bewundern, die von der Sonne in ein malerisches Licht getaucht werden. Im Sommer wird es hier sicherlich tagsüber um die 40 °C heiss.

Die Beduinendörfer haben uns sehr überrascht, da es keine Dörfer sind, sondern eher Slums. Obwohl das Thema Beduinen und ihre Zwangsumsiedlung bekannt ist, hat uns der Anblick der Realität sehr irritiert (und mich optisch an die Townships in Südafrika erinnert) Dass Menschen unter solchen Bedingungen in Israel leben, war uns neu und hat viele weitere Fragen aufgeworfen.

Gaza

Sabine am 9. Februar 2011 um 23.11

Der Grenzübergang Erez zwischen Israel und Gaza ist für die meisten Menschen geschlossen. Weder Araber noch Israelis, weder Touristen noch Politiker dürfen diese Grenze ohne eine spezielle Erlaubnis überqueren. Der Gazastreifen ist militärisch abgeriegelt, umschlossen von einer hohen Mauer, bewacht von Soldaten, die regelmäßig auf diejenigen schießen, die sich in dem unklar definierten Sperrgebiet zu weit vorgewagt haben: Hirten, Schuttsammler, potentielle Terroristen.

Nur internationale Journalisten, Hilfsorganisationen und Personen mit einer speziellen Genehmigung können an diesem Grenzübergang in den Gazastreifen einreisen. Meine israelischen Kollegen und auch die arabischen Mitarbeiter, die in Jerusalem wohnen, welches von Israel als israelisches Staatsgebiet betrachtet wird, dürfen nicht in Gaza arbeiten.

Der Grenzübergang besteht aus einem Parkplatz in Israel, wo man sein Auto stehenlassen muss, einem überdimensionierten modernen Einreiseterminal mit viel zu vielen Sicherheitsschleusen für die wenigen Reisenden die durchwollen, einem langen vergitterten Korridor der durch das Niemandsland führt, in dem die Araber in Reichweite der israelischen Schusswaffen nach Baumaterial in den Trümmern vergangener Kriege suchen, und schliesslich einer kleinen Baracke in der die Pässe zum dritten mal überprüft werden, von der Hamas, und in der das Gepäck kontrolliert wird, auf verbotene Gegenstände, Waffen oder Alkohol oder was auch immer.

Mit dem Taxi geht es nach Gaza hinein, hier sieht es aus wie früher im Ostblock, vermüllt, dreckig, kaputt; der Krieg hat Spuren hinterlassen; es ist sehr arabisch, sehr islamisch, alle Frauen und Mädchen mit Kopftuch und langen Mänteln und viele Männer mit Vollbart. Der Verkehr ist dicht, typisch orientalisch, viele Straßenhändler, kaputte Autos und Eselgespanne. An den Tankstellen stehen die Leute Schlange, das ist das Auffälligste was hier an Wirtschaftsblockade erinnert. Sonst wirkt Gaza, als könnte man hier ohne weiteres einkaufen oder spazieren gehen. Aber wir sind ja zum arbeiten hier.

Unser Weg führt uns zu einem, der von der Hamas als Held gefeiert wird. Ein radikaler Funktionär der Al Qassam-Brigaden; er ist während der Unruhen in Ägypten aus dem Gefängnis geflohen und die Hamas gibt ihm ein Willkommensfest. Man serviert uns Kaffee und Hühnchen mit Reis. Es gibt keinen Ausweg. Ich habe kein Kopftuch und muss im Auto bleiben. Die Offiziellen geben tolle O-Töne, Israel muss verschwinden und die islamische Revolution in Ägypten sei zu begrüßen. Auf die Hamas ist Verlass. Die Chancen auf ein Stück steigen. Der Sohn vom Hamas-Helden sagt, wie auswendig gelernt, er möchte auch einmal ein Held werden.

Die Fahrt geht nach Süden, vorbei an Pferdekadavern, Baustellen, Autoschlangen vor Tankstellen – tolle Bilder von Dutzenden dunklen Händen die Kanister in einer Reihe aufstellen… theoretisch. Praktisch läuft die Nachrichtenmaschine, schnell, wie schätzen Sie die Lage ein, wird es morgen noch Benzin geben?

Es regnet, Interview mit einem zufällig abgefangenen Hamas-Funktionär. Das Team erregt Aufmerksamkeit, aber viele Passanten machen auch einen großen Bogen um uns und unseren Interviewpartner. Unsere Autorin ist diesmal kopftuchlos. Der wesentlich kleinere bärtige Offizielle lässt sich nichts anmerken, antwortet auf englisch und verschwindet anschliessend mit einer riesigen schwarzen Luxuslimousine im Verkehrschaos der Esel, schrottreifen Autos und Motorräder mit denen seine Landsleute unterwegs sind. Da war die Kamera schon aus.

Wir fahren in ein Café um uns mit einer Bloggerin zu treffen, sie ist nicht da. Unser Producer wütet ein bisschen herum und droht dass wir zur Strafe zu ihr nach Hause fahren wenn sie es wagt uns zu versetzen. Sie kommt doch noch, hat kein Kopftuch auf, sie war eine Freundin im Krankenhaus besuchen. Sie saß im Gefängnis wegen einer Solidaritätskundgebung für Ägypten. Unser Producer flüstert mir zu dass er sie unsympathisch findet weil sie versucht mit ihrer Geschichte berühmt zu werden. Er wird mir allmählich selber etwas unsympathisch. Er war früher begeistert beim Militär und erzählt sehr stolz von diesen vergangenen Zeiten. Jetzt ist er beim Fernsehen. In der Firma hier arbeiten ausschliesslich Männer. Die technische Ausstattung ist erbärmlich, doch sie machen das Beste draus. Der Kameramann, der nicht so glänzend englisch spricht, borgt sich meine Kamera und fotografiert Kinder die aus einer Tür herausgucken. Sie flüchten immer nach drinnen, aber auf ihre Neugier ist Verlass. Es sind drei oder vier.

Ihre Mutter bleibt im Haus und guckt nur durch den Türspalt. Sie ist nicht älter als ich. Vor ihrer Haustür filmen wir ausländischen Journalisten die dicken alten wichtigen Männer, die die Geschicke dieser Region fehlleiten.

Am Strand von Gaza liegen teure Hotels, in denen ich für ein paar Stunden vom Grübeln abgelenkt werde. Meeresluft streicht über die Terasse vor dem menschenleeren Hotelrestaurant, in dem das Frühstück serviert wird. Im Licht der Morgensonne stechen kleine Fischerboote in See; ich beginne zu fantasieren, dass das hier einmal ein Urlaubsgebiet werden könnte, mit Strandbars und Souvenirständen.

Am letzten Drehtag treffen wir eine Rap-Crew aus Gaza. Sie machen unfassbar gute Musik auf Arabisch. In diesem Land der begrenzten Möglichkeiten haben sie es geschafft, sehr anspruchsvolle und mitreißende Musikvideos zu produzieren. Sie haben es zudem geschafft, aus Gaza auszureisen, und auf Tour zu gehen in Europa. Ihre Lieder sind ein berührender Soundtrack zu diesem absurden Ort mit seiner verfahrenen politischen Lage, seinen Menschen, die von religiösen Fanatikern als Geiseln und von ihren Nachbarländern gefangen gehalten werden zwischen lauter geschlossenen Grenzen.

Wir stehen einen Tag später vor den vielen Sicherheitsschleusen des Einreiseterminals am Grenzübergang Erez, quetschen unser Gepäck durch Drehtüren, warten auf grüne Lampen, die angehen, folgen Lautsprecherstimmen zu Röhren, in denen wir gescannt werden, zu Türen die sich öffnen, zu einem Gepäckband, wo unsere ausgeräumten und durchsuchten Koffer, Equipment und Notebooks nach einer halben Stunde ankommen, und dann sind wir wieder in Israel.

Die Badesaison ist eröffnet

Sabine am 6. Februar 2011 um 16.21

Entschuldigung aber du hast nicht die Rechte um dieses Post zu sehen! Bitte Anmelden:

Huh!

Sabine am 5. Januar 2011 um 0.45

Langsam, gaaanz langsam, lassen die Schmerzen nach, wie nach einem Sprung ins eiskalte Wasser. Die Schmerzen der Rückkehr nach Tel Aviv, in meinen Slum, wo die Junkies und Penner sich mittlerweile in dicke Daunendecken gehüllt haben auf ihren Bürgersteigen. Die Schmerzen der Rückkehr in meine Wohnung, wo die ersten Wasserschäden und ein Berg kryptischer hebräischer Post mich empfangen. Und die Schmerzen der Rückkehr zu meiner Arbeit, die diesem ganzen Projekt Tel Aviv einen Sinn verleihen sollte es aber nicht tut.

Ich Jammerossi!

Wie beim Schwimmen lassen die Schmerzen umso schneller nach, je mehr man sich bewegt. Also habe ich es heute geschafft, den Berg Post fast zu vernichten und auf Arbeit doch einige sinnvolle Dinge zu tun. Nach Feierabend kam noch mein Vermieter rum samt Frau und versuchte mit gemeinsamen Kräften, mir den Output der Klimaanlage warmzureden. Die Internetverbindung reicht heute abend nicht, um mir die China-Doku hoch aufgelöst im Livestream anzusehen, deshalb schalte ich aus und gehe ins Bett nach diesen paar Zeilen.

Aber bevor ihr mich alle bemitleidet: Hier sinds morgen über 20°C und wenn meine arme kranke Familie wieder hier ist, gehen wir schön irgendwo Sushi essen!

Frühstücksgespräch 2

Sabine am 13. Dezember 2010 um 22.56

“Wauwau!”

“Das ist doch kein Hund, das ist eine Kuh! Die gibt Milch. Wie macht die Milch?”

Kamerakarriere beginnt! (kann dauern)

Sabine am 7. Dezember 2010 um 19.21

Vorgestern war bereits das zweite von mir gedrehte Bild im TV :D

Es handelte sich um eine abgefilmte Zeitung :D Immerhin. Und, ja, ich bin nach dem Importieren in Avid nochmal mit dem Color Correction Tool drüber, weils wieder mal zu dunkel war ^^

Es ist nicht so leicht. Beim zweiten Mal Zeitung abfilmen ist mir dann aufgefallen, dass an meinem Stativ ein Fuß fehlt. Stimmt, da war doch was :D Im Schnitt kann man ja übrigens immer die Gedanken der Kameraleute bzw. deren Bilder lesen, wie ein offenes Buch. Wenn ich Schwenks mache spricht das Bild folgenden Satz: Achtung, hier versucht jemand souverän und zügig loszuschwenken, aber an dem sanften Ruckler am Anfang kann man bereits die Unsicherheit spüren, diese Einstellung zum richtigen Zeitpunkt wieder in den Stillstand zu bringen, und hoppla, da war er, der kleine Schubs, kurz hinter dem Stillstand, Anfängerkamera detected!!11111einself ;)

Angekommen

Sabine am 17. November 2010 um 22.26

So, nun, umgeben von Umzugskartons, habe ich das erste Mal das Gefühl, zu Hause zu sein, dank des Aufflammens meines Computermonitors.

Irre wie sich die Zeiten ändern, das virtuelle Zuhause, gebunden an eine Kiste, nicht das Bücherregal, nicht der Fernseher, nicht die Möbel schaffen es, diesen Effekt von Vertrautheit herzustellen. Klar hatte man Zugang zu allem übers Handy, über ein Notebook, aber… Im Moment stöbere ich durch meinen Rechner und finde hier ein Foto, da ein lustiges Video,  freue mich über meinen 24 Zoll Monitor :)

…und Cycle im Hintergrund zockt schon wieder :D

Wir waren in Jerusalem letztes Wochenende – ich würde gern ein paar Fotos hochladen aber ich kann meine Kamera nicht finden. Trotz aller Bemühungen hier Ordnung ins Balagan zu bringen, herrscht eine große Katastrophe mit Stapeln von Pappkartons; die Umzugsfirma hat nach dem Prinzip gepackt: man öffnet einen Karton, darin ist ein kleinerer Karton, darin ist ein kleinerer Karton, darin ist noch ein kleinerer Karton, darin sind hundert Lagen Papier, darin ist eine kleine Espressotasse. Irgendwo im Balagan ist meine Kamera verschollen.

Und ich verstecke mich die ganze Zeit auf Arbeit, damit ich nicht mithelfen muss. Abends wartet die Motte schon auf mich, und will fangen spielen in all dem Chaos, und die ganzen Schrauben und Werkzeuge ziehen sie magisch an. Was sie in ihre kleinen Krallen bekommt, “räumt sie auf” und man findet es nie wieder.

Frühstücksgespräch

Sabine am 4. November 2010 um 9.16

“Wenn du immer so frech bist, bekommst du dieses Jahr vom Weihnachtsmann nur einen Stein.”

“Stein!”

“Oder eine Kohle. Möchtest du eine Kohle haben?”

“Ja!”

Wintereinbruch

Sabine am 30. Oktober 2010 um 17.39

Es regnet und die Temperaturen sind auf frostige 25 Grad gefallen!